Liebe Interessierte,

 

morgen findet die online Mitgliederversammlung unseres Vereins statt. Im Anhang findet eine spannende Weiterbildung mit Cornelia Drees statt, bei es der darum geht, wie wir den Tieren begegnen und sie trainieren können, damit tiergestützte Interventionen möglichst gut gelingen kann. Gerne dürfen auch Nicht-Mitglieder an der Weiterbildung teilnehmen. Bitte melden Sie sich mit einer E-Mail an info@iemt.ch dafür an.

Wir haben für Sie wieder Hinweise auf anstehende Konferenzen und eine Ausstellung zusammengestellt. Zudem stellt sich unser Mitglied Suzanne Martin vor und die für Sie zusammengefasste Studie untersuchte Effekte von eselgestützter Therapie auf den Selbstwert von Kindern mit einer Legasthenie.

Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Lektüre.

 

 

Mit herzlichen Grüssen
IEMT Schweiz

 

IAHAHIO Online Konferenz

Am 28. und 29. Oktober findet die IAHAIO Online Konferenz zum Thema «Altern und Lebensqualität: Aktive Einbindung dank Tiergestützten Dienste» statt. Die Konferenz regt an darüber nachzudenken, wie die alternde Bevölkerung von den tiefgreifenden Auswirkungen der Verbindung zwischen Mensch und Tier auf Unabhängigkeit, Wohlbefinden, soziale Integration und Gesundheit profitieren kann. Für mehr Informationen besuchen Sie gerne die Website von IAHAIO.

Eröffnung der Sonderausstellung «Ich Tier Wir: Eine sonderbare Beziehung»

Am 29. September findet die Eröffnung der Sonderausstellung «Ich Tier Wir: Eine sonderbare Beziehung» im Naturama in Aarau statt. Das Thema der Ausstellung ist die sonderbare und komplexe Beziehung zwischen Menschen und Tieren. Einerseits werden Tiere als Nutztiere ausgebeutet und auf der anderen Seite als verhätschelte Haustiere gehalten. Irgendwo zwischen diesen beiden Kontroversen befinden sich Drogenhunde, Altersheimhühner und Therapiepferde. Die Ausstellung befasst sich mit der Geschichte, wie die Umwelt und die Kultur Tiere prägt und hinterfragt Denkmuster und Widersprüche in dem menschlichen Handeln. Die Sonderausstellung lädt dazu ein, die eigene Haltung zu reflektieren und lädt zu spielerischen Interaktionen ein.

An dem Eröffnungsapéro am 28. September wird unter anderem Dennis Turner als Podiumsmitglied anwesend sein. Der Eröffnungsapéro ist nur für geladene Gäste.
 

 

Agenda

1. September 2023 IEMT-Generalversammlung für Mitglieder
8. – 10. September 2023 Ausbildungen zum Therapiebegleithunde Team in Neustadt, DE >Hier
28. – 29. Oktober 2023 IAHAIO Online Konferenz >Hier
23. – 25. November 2023 DVG-Vet-Congress 2023 > Hier
4. & 5. Mai 2024 IstT Fachtagung > Hier
Datum unbekannt Dritte Tagung „Hund und Psychologie“ >Hier

 

Unsere Mitglieder stellen sich vor

Bild: Suzanne Martin mit Therapiehund Miro in Ihrem Büro

Hundegestützte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

 

Mein Name ist Suzanne Martin, ich arbeite seit 13 Jahren als Psychotherapeutin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJPP) im Kanton Zürich. Seit sechs Jahren leite ich in der Funktion einer Leitenden Psychologin zusammen mit einer Oberärztin das Kinder- und Jugendpsychiatrische Ambulatorium der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) am Standort Uster im Zürcher Oberland. Meine Schwerpunkte sind Notfallpsychologie, Psychotraumatologie und Tiergestützte Psychotherapie, welche ich störungsübergreifend einsetze. Seit über vier Jahren ist mein Hund Miro, ein Australian Shepherd, an meiner Seite. Miro ist ein ausgebildeter Therapiehund und begleitet mich an drei Tagen pro Woche an meinen Arbeitsplatz.

Ich engagiere mich seit mehreren Jahren im Netzwerk der Natur- und Tiergestützten Interventionen (NTI) der PUK und es ist mir ein grosses Anliegen, mich in- und extern mit Gleichgesinnten zu vernetzen und Kolleginnen und Kollegen der KJPP, welche neu im Gebiet der Tiergestützten Psychotherapie sind, zu unterstützen. Zusammen mit der Leiterin der NTI möchte ich eine interdisziplinäre Intervisionsgruppe aufbauen. Mein Traum ist es, in der KJPP einen Tiertherapiegarten zu schaffen, um tiergestützte Therapieplätze für unsere ambulanten, teilstationären und stationären Patient:innen anbieten zu können.

Die Wirksamkeit tiergestützter Interventionen ist für mich unbestritten, das sehe ich täglich in meiner eigenen psychotherapeutischen Tätigkeit zusammen mit Miro. Um die zugrundeliegenden Wirkmechanismen genauer zu erforschen, bin ich als externe Doktorandin am Lehrstuhl für klinische Psychologie und tiergestützte Interventionen von Prof. Karin Hediger an der Universität Basel an zwei Psychotherapiestudien beteiligt, bei denen wir untersuchen möchten, inwieweit und auf welche Weise ein Hund in die einzelpsychotherapeutische Behandlung integriert werden muss, damit es für Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen Störungen motivierend und bündnisfördernd ist. Ziel der zweiten Studie ist es zu untersuchen, inwieweit eine tiergestützte Gruppenintervention für Kinder und Jugendliche mit posttraumatischem Stress sich positiv auf die Motivation und Therapieallianz sowie auf die Verringerung der PTBS-Symptomatik, der Steigerung der Selbstwirksamkeit und der Lebensqualität auswirkt.

 

 

Aktuelle Forschung in Kürze

Selbstwertverbesserung bei Kindern mit einer Legasthenie dank der eselgestützten Therapie

 

 

Hintergrund

Spezifische Lernstörungen betreffen 1-2.5% der Gesamtbevölkerung in Europa und beinhalten eine vielfältige Gruppe von Erkrankungen, bei denen Kinder mit intakten intellektuellen Fähigkeiten Probleme bei der Verarbeitung von Informationen oder der Erzeugung von Leistungen haben. Diese Lernschwierigkeiten führen häufig zu Veränderungen in neurokognitiven Prozessen, die sich in mangelnder Fähigkeit zu schreiben, zu sprechen, zu lesen, mathematische Probleme zu lösen, zu buchstabieren, zuzuhören oder sich zu konzentrieren äussern können. Ungefähr 80% aller sind von der Lernstörung Legasthenie betroffen, welche auch als Lese-Rechtschreibstörung bekannt ist. Betroffene haben Schwierigkeiten bei der Dekodierung, der fliessenden Worterkennung, der automatischen Benennung und/oder dem Leseverständnis. Eine frühe Behandlung hat sich bei Kindern als sehr vielversprechend gezeigt.

Da sich Legasthenie erst im Laufe der Zeit entwickelt und die frühen Symptome einer Legasthenie nicht leicht vorhersehbar sind, haben die betroffenen Kinder häufig ein negativeres Selbstkonzept und ein geringes Selbstwertgefühl. In der Vergangenheit konnte mithilfe der Pferdegestützten Therapie gezeigt werden, dass sich das Selbstwertgefühl von Kindern verbessern konnte. Dies ist die erste Studie, welche die Auswirkungen von Eselgestützten Therapie bei Kindern mit einer Legasthenie auf den Selbstwert untersucht hat.

Ziel der Studie war es die Auswirkungen der Eselgestützten Therapie auf das Lesen, das Schreiben und das Selbstwertgefühl von Kindern mit Legasthenie nachzuweisen.

 

Methode

Die sechzehn Teilnehmer:innen sind alle mit einer Legasthenie laut DSM-5 diagnostiziert, sind im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren und hatten keine intellektuelle Einschränkung (IQ > 80). Alle Teilnehmer:innen wurden zufällig in zwei Behandlungsgruppen eingeteilt. Die Experimentalgruppe erhielt über 6 Monate zwei Mal in der Woche ein individuelles neuropsychologisches Training in Verbindung mit einmal wöchentlich stattfindendem Eseltherapie-Training. Die Versuchsgruppe hingegen erhielt zu den gleichen Zeitpunkten ein individuelles neuropsychologisches Training.

 
 

Resultate und Diskussion

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass dank des Eseltherapie-Trainings das Niveau der Schreib- und Lesekompetenz und das Selbstwertgefühl der Betroffenen signifikant verbessert werden konnte. Zukünftige Forschung sollte eine grössere Stichprobe untersuchen und eine angemessene langfristige Nachbeobachtung testen.

IEMT-Mitglieder können im ausführlichen Newsletter zudem nachlesen, welche unterschiedlichen Messungen an den Proband:innen vorgenommen wurden, wie die Eseltherapie-Stunden aufgebaut waren und wie die Resultate der Studie im Detail aussehen.

 

 

 

 

Quelle

Corallo, F., Bonanno, L., Cardile, D., Luvarà, F., Giliberto, S., Di Cara, M., Leonardi, S., Quartarone, A., Rao, G., & Pidalà, A.. (2023). Improvement of Self-Esteem in Children with Specific Learning Disorders after Donkey-Assisted Therapy. Children, 10(3), 425. https://doi.org/10.3390/children10030425