Mit dem Tier wird das Heim zum Daheim

Immer mehr Alters- und Pflegeheime erkennen die grosse Bedeutung der Tiere für ältere Menschen

Zürich, 27. Februar 2006 – Ein Umzug ins Altersheim muss nicht bedeuten, sich von seinem geliebten Heimtier zu trennen. Eine aktuelle Studie zeigt: Eine Mehrzahl von Heimen steht der Tierhaltung grundsätzlich positiv gegenüber. Denn Hund, Katz und Co. steigern nicht nur die Lebensqualität der HeimbewohnerInnen, die Tiere können auch zur Entlastung des Pflegepersonals beitragen. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung wichtiger Regeln. Denn nicht nur die Bedürfnisse der Tierbesitzer müssen erfüllt werden, sondern auch diejenigen der Mitarbeiter, Mitbewohner und nicht zuletzt der Tiere selber.

Vielen Menschen fällt der Umzug in ein Altersheim schwer, weil damit der vermeintliche Abschied vom ans Herz gewachsenen Heimtier verbunden ist. Das Tier ist Gesprächspartner und Freund, es schenkt Zärtlichkeit und Geborgenheit. Die Verantwortung für den tierischen Gefährten wie auch dessen Pflege geben Aufgabe und Lebenssinn. Es ist daher verständlich, dass viele ältere Menschen einen Eintritt ins Altersheim ohne ihr Tier nur zögernd ins Auge fassen oder ganz verweigern.

Umdenken in den Heimen

IEMT Schweiz, das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, führte letztes Jahr in Zusammenarbeit mit Barbara Schaerer, Fachfrau für Tiergestützte Fördermassnahmen, eine Studie zu Tieren in Alters- und Pflegeheimen durch. Von über 1'000 befragten Insitutionen beteiligten sich 542 Heime (52%) an der Umfrage. Die hohe Rücklaufquote allein zeigt schon das grosse Interesse an der Thematik. Auch die Ergebnisse selber sind erstaunlich. In 95% aller Institutionen finden Tierbesuche statt und 86% halten selber Tiere: Katzen sind der „Renner“ unter den aktuell gehaltenen Tieren, gefolgt von Vögeln, Hunden, Kleinnagern und Fischen. Natürlich gibt es auch Bedenken, dass Tierhaltung dem Heim Mehraufwand bringen. Trotzdem überwiegen die positiven Erfahrungen. Tiere bedeuten in vielen Fällen auch eine Entlastung, da sie das soziale Klima verbessern können und TierhalterInnen im Heim oft freundlicher und offener gegenüber MitbewohnerInnen und Personal sind.

Gesundheitsfördernde Wirkung

Stimmen des Pflegepersonals und der Heimleitung belegen eindrücklich den wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Effekt von Tieren auf die Lebensqualität und die Gesundheit der BewohnerInnen im Heim: „Die Anwesenheit von Tieren gibt den BewohnerInnen ein Daheimgefühl, der Heimeintritt wird erleichtert“ – „BewohnerInnen, welche ihre jahrelang gepflegten Tiere mitnehmen können, bleiben seelisch und körperlich fit“ – „Auch verschlossene Pensionäre öffnen sich gegenüber Tieren“ – „Tiere leben die bedingungslose Liebe, verbreiten Freude und sind stille Zuhörer“ – „Die Tiere ersetzen manchmal Medikamente“.
Kein Zweifel: Tiere fördern das Wohlbefinden der Menschen, sie sind aber keine Allheilmittel. Die positive Wirkung von Heimtieren ist nur gegeben, wenn sich nicht nur die Senioren, sondern auch die Tiere selbst wohl fühlen – durch artgerechte Haltung und rücksichtsvollen Umgang.

Ratgeber & Mustervertrag

In vielen der befragten Heime besteht grundsätzlich die Möglichkeit, das eigene Heimtier mitzunehmen. Eine generelle Erlaubnis gibt es jedoch nicht, vielmehr wird jeweils individuell geprüft, ob und wie Tierhaltung möglich ist. Ist die Pflege des Tieres durch den Besitzer gewährleistet? Erlaubt die Infrastruktur des Heimes eine artgerechte Haltung? Wie ist die Haltung des Pflegepersonals und der anderen HeimbewohnerInnen? IEMT Schweiz geht auf diese Fragen ein und hat auf der Basis der Studienresultate zwei entsprechende Ratgeber erarbeitet: „Mit meinem Tier ins Altersheim?“ richtet sich an die SeniorInnen. „Mit dem Tier ins Altersheim?“ vermittelt Tipps für die Heimleitung und deren MitarbeiterInnen. Ein Mustervertrag zur Tierhaltung in Heimen regelt Zuständigkeiten und vereinbart eine Probezeit. Sämtliche Dokumente können bei IEMT Schweiz bezogen werden oder direkt auf www.iemt.ch heruntergeladen werden.