Dennis C. Turner, Präsident des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, Filomena Ribi (damals Diplomandin in Verhaltensbiologie, Universität Zürich) und Aki Yokoyama, Psychiater und Professor in Japan, untersuchten 2002 bis 2003 in einer Studie die Entwicklung einer Beziehung zwischen Kindern und «Tieren».
In Japan, wo Therapeuten mit Heimtieren (v.a. Hunden) Schwierigkeiten haben, den Zugang zu Spitälern und Kliniken zu erlangen, testet man den Einsatz von Robottieren als Alternative zu lebenden Hunden. Roboter-gestützte Therapie (RGT) geht – bewusst oder unbewusst – von zwei Annahmen aus:
  • dass die Patienten/Klienten mindestens so viel Interesse an elektronisch-mechanischen, lernfähigen «Tieren» zeigen wie an echten Kameraden;
  • dass dieses Interesse im Verlauf der (Behandlungs-)Zeit nicht verschwindet.

Vorgehen

Die Forscher haben diese Annahmen in Zürcher Kindergärten/Spielgruppen mit 14 gesunden Kindern während insgesamt 22 Wochen überprüft. Die nötigen Einwilligungen der Ethik- und Tierversuchskommissionen, der Schulleitungen, der Lehrerinnen und aller Eltern wurden eingeholt. Die Kinder (8 Knaben und 6 Mädchen, alle zwischen 3 und 6 Jahre alt) wurden eingeladen (nicht gezwungen!), während 5 Minuten pro Woche in einem Nebenzimmer des Kindergartens entweder mit dem lebenden, kinderfreundlichen ‹Snappy› (erste 11 Wochen) oder mit dem etwa gleich grossen Roboter ‹AIBO› (Sonys® Model ERS-210) (während der 11 folgenden Wochen) zu interagieren.
Die Interaktionen wurden auf Videoband aufgenommen und danach für den Bericht statistisch ausgewertet.

Resultat

Die Kinder haben bedeutend häufiger (81,8%) an den Sitzungen mit Snappy teilgenommen, während «nur» 69,5% der Kinder bereit waren, an Begegnungen mit AIBO teilzunehmen. Allerdings näherten sie sich AIBO etwas häufiger als Snappy, obwohl Snappy sich den Kindern häufiger annäherte als AIBO, was in beiden Fällen wahrscheinlich mit Neugierde zu tun hat. Der Roboter wurde signifikant häufiger (kurz) berührt, währenddem Snappy bedeutend häufiger gestreichelt wurde. Interviews mit den Kinder ergaben, dass 10 der 14 Kinder am Ende der Beobachtungen den lebenden Hund als sozialen Partner bevorzugten; 3 Kinder hatten beide «Tiere» gern, und nur 1 Kind zog den Roboter vor.

Ländervergleich

In einer zweiten, vergleichenden Studie wurde nun untersucht, ob Kinder zweier verschiedener Kulturkreise (Ostasien und Westeuropa) unterschiedlich auf solche Heimtier-Roboter reagieren. Die Beobachtungen wurden gleichzeitig in Japan und in der Schweiz unter praktisch identischen Bedingungen durchgeführt. Kinder, die eigene Initiative zeigten und AIBO zuerst aktiv berührten, zeigten auch sonst selten negative Reaktionen auf den Roboterhund. Allerdings interagierten die japanischen Kinder häufiger positiv mit AIBO als die Schweizer Kinder. Aus den Resultaten lässt sich folgern, dass Schweizer Kinder mehr Zeit brauchen, um sich an einen Roboter zu gewöhnen, dass aber japanische Kinder schneller das Interesse an ihm verlieren.

Interpretation

Die unterschiedliche Reaktion der Kinder mag darin begründet sein, dass japanische Kinder aus städtischer Umgebung in einem stark technologisierten Umfeld aufwachsen, zum Beispiel mit Videogame-Salons, in denen sie von ähnlichen Geräuschen und blinkenden Lichtern berieselt werden wie von AIBO. Diese Erfahrungen machen Schweizer Kinder eher selten, und einige hatten vor AIBO's Geräuschen und Lichtern sogar Angst.

Weitere Untersuchungen werden die «Bindung» von Kindern an ein solches Roboter-Heimtier genauer untersuchen müssen, indem sie Effekte wie Neuheit, Angst und Gewöhnung resp. Langeweile separat analysieren.